„Schwarz auf Weiß“ oder: Günter wallrafft wieder

  • Der Soziologe und Journalist Günter Wallraff (alias Hans Esser, alias Ali Levent Sinirlioglu, alias Platte, alias alias…etc.) hat sich mal wieder in die Untergründe der deutschen Gesellschaft begeben. Unter dem Pseudonym „Kwami Ogonno“ begab sich Wallraff diesmal in die Rolle eines Somalis und erforschte 14  Monate lang in Kneipen, Hundeschulen und Schrebergärten den alltäglichen Rassismus in Deutschland. Das Ergebnis dieses Selbstversuches ist im Film „Schwarz auf Weiß“ zu sehen, der nun in die Kinos kommt.
  • Trailer:

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  • Wallraffs Vorgehensweise, bei der er immer in verschiedene Rollen schlüpft, um so die Gesellschaft hautnah zu erleben, sind legendär wie umstritten. ImVorwort seines Werkes „Ganz unten“ schrieb Wallraff über den investigativen Journalismus: 

„[…]man muss sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muss täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden.“ (Ganz Unten, 1985)

  • Die besondere Art des Recherchestils hat es in Schweden und Norwegen sogar in die Wortliste der Schwedischen Akademie geschafft. Das Verb „wallraffa“, bzw. „wallraffe“ meint dort den Enthüllungsjournalismus Marke Wallraff. Wie die meisten seiner Aktionen, so hat ihm allerdings auch sein gegenwärtiges Projekt nicht nur positive Stimmen eingebracht. Tahir Della von der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) meinte zu Wallraffs neuem Film: „Wie so oft spricht jemand für statt mit uns Schwarzen.“ Die Dozentin und Musikerin Noah Sow, die sich auch in der Media-Watch-Initiative „Der braune Mob“ engagiert, geht in ihrer Kritik sogar soweit, dass sie Wallraff vorwirft, letztlich „auf Kosten unserer Leiden Geld zu verdienen“ – ungeachtet dessen, ob er den Rassismus „eigentlich bekämpfen will oder nicht“.
  • Wie auch immer man Wallraffs Vorgehen bewerten mag, spricht er dennoch weit verbreitete Klischees und Ressentiments an, denen man offen begegnen sollte, anstatt sie zu marginalisieren.

ahoi polloi

(ahoi polloi Nr. 935)


Nachtrag:

  • eine weitere lesenswerte Meinung zum Thema Wallraff gibt es u.a. hier
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