um zu retten, was noch zu retten ist – Portfolios und Diagnostik im Förderunterricht (Latein)

Ab kommender Woche habe ich die schwierige Aufgabe, einen Latein-Förderkurs in der 8.Klasse zu managen. Im Unterschied zu meinem regulären Unterricht treffe ich hier (voraussichtlich) auf verständlicherweise völlig demotivierte Schüler, die sich neben dem üblichen Graus von 5 Stunden Latein pro Woche auch noch zusätzlich von mir quälen lassen müssen. Und das auch noch in der 7.Stunde.

Ich male hierbei ganz bewusst ein negatives Bild, da ich die Schüler durchaus – auch aus eigener leidvoller Erfahrung heraus – verstehen kann. Das Problem an meinem Fach ist, dass der Berg an Vokabeln, Formen und Abhängigkeiten mit jeder Lektion weiter wächst. Hat der Schüler aber gerade am Anfang  den Überblick verloren, sieht er überall nur noch unüberwindbare Baustellen. Die Folge ist eine dauerhafte Enttäuschung die über kurz oder lang in eine fatalistische Gleichgültigkeit übergeht. Ganz ehrlich? Wer wollte nach diesen Erfahrungen noch ernsthaft behaupten, dass es eine gute Wahl gewesen sei, Latein zu wählen?

Förderkurse sind demnach um einiges schwieriger, als regulärer Unterricht, da ich hier in hohem Maße darauf angewiesen bin, den Schülern Erfolgserlebnisse zu vermitteln, an die sie selbst – im schlimmsten Falle – schon länger nicht mehr glauben. Wo also anfangen? Ansatzpunkt eines derartigen „Projektes“ ist zunächst einmal eine ausgefeilte Diagnostik, um herauszufinden, wo genau die grundlegenden Defizite liegen. Natürlich ist das eine Binsenweisheit, die man in allen Didaktiken der Welt nachlesen kann, aber um halbwegs effektiv vorgehen zu können, muss ich die Schwierigkeiten konkret benennen können. Die Alternative wäre das Buch auf Seite 1 aufzuschlagen („Willkommen im Grammatikland“, Cursus).

nrwEine echte Hilfe bilden hierbei Diagnosebögen, mit denen mir die Schüler ihre Problemfelder aufzeigen. (ACI, Tempora, Formenlehre etc..) Anschließend – so zumindest der Plan – kann ich Übungsmaterial zusammensuchen, mit dem ich – vielleicht in einer Art Lerntheke oder Arbeitsplan – den Förderkurs ausfülle. Binnendifferenzierung for real also. Angebote für derartige Bögen bieten eigentlich beinahe alle Schulverlage, die sich mal mehr oder weniger sinnvoll mit dem eigenen Lehrbuch kombinieren lassen. Eine kostenfreie und dennoch gute Alternative bietet uns aber auch der Bildungsserver des Landes Niedersachsen mit der Reihe Folia Portabilia Linguae Latinae“. Diese untergliedert sich insgesamt in 3 Teile, die sich wiederum an Anfänger, Fortgeschrittene und die Quali-Phase richten. Die Schüler können hierbei anhand grundlegender Erwartungskompetenzen angeben, was sie beherrschen und wo sie noch Probleme haben. Das Ganze ist übrigens u.a. unter der Federführung von Prof. Kuhlmann ausgearbeitet worden, der unter den Didaktikern ja recht bekannt ist.

Porta

Ich werde das Ganze mal ausprobieren und anschließend selbst rückmelden, wie es gelaufen ist. Habt ihr weitere Vorschläge für Materialien oder Diagnosebögen?   

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