Theaterplatz

Theaterplatz
In unserem heutigen Staatssystem gibt es eine Gewaltenteilung mit Exekutive, der ausführenden Gewalt (z.B. Polizei), Legislative, der gesetzgebenden Gewalt (z.B. Bundestag) und Judikative, der richtenden Gewalt (z.B. Amtsgericht). Zur NS-Zeit gab es allerdings keine Gewaltenteilung. Die gesamte Macht lag bei der Polizei, die Hitler direkt unterstellt war. Die Aufgabe der Polizei wurde zur Zeit des Nationalsozialismus von der „Geheimen Staatspolizei“ (GESTAPO) übernommen, welche am 26. April 1933 gegründet wurde und zur internen Gegnerbekämpfung mit weitreichenden Befugnissen eingesetzt wurde.

Wie gefTheaterplatz1ährlich und gefürchtet diese Abteilung war, erkennt man daran, dass sie z.B. ab April 1933 das Exekutionsrecht besaßen, aber auch daran, dass Klagen gegen sie aufgrund von Gesetzen nicht möglich waren. Ab 1934 waren sie eine selbständige Organisation und hatten 1936 fast 7000 Festangestellte im „ganzen Reich“. Sie führten oft Hausdurchsuchungen durch und auch wenn sie nichts fanden, wurden die Zivilisten festgenommen bzw. bestraft, nur um ihre Macht zu demonstrieren. In den Nürnberger Prozessen wurde sie zu einer verbrecherischen Organisation erklärt.

In diesem Gebäude beim Theaterplatz in Aachen hatte die GESTAPO seit 1933 ihre Büros. Hier wurden von den Nazis verfolgte Menschen festgehalten, verhört und auch gefoltert bis sie ins Gefängnis gebracht oder ins Lager deportiert wurden.

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Frere- Roger-Straße/ Kaiserplatz

AST.Adalbertuch die Kirche wurde durch den Nationalsozialismus beeinflusst. EvangelischeDa christliche und nationalsozialistische Auffassungen unvereinbar waren, war ein Konflikt schon vorprogrammiert. Da sich der Nationalsozialismus auf die Pseudo- Wissenschaft der „Rassenlehre“ berief, war dies mit dem Christentum nicht vereinbar. Dieser Konflikt spitze sich ab 1940 zu, als die NS Klöster beschlagnahmte und Ordensbrüder und –schwestern auswies.

Vor allem mit der katholischen Kirche kam es immer wieder zu Konflikten, da sich viele Bischöfe und Priester gegen das Evangelische1St.Adalbert1NS-Regime aussprachen. Im Gegensatz dazu stand die evangelische Kirche, die sich aus Angst vor den Nationalsozialisten anpasste.

Dies belegen auch zwei Beispiele aus Aachen. Josef Buchkkremer, Weihbischof aus Aachen, der sich besonders für die Jugend einsetzte und versuchte zu verhindern, dass diese in die Hitlerjugend eintreten. Die nazitreuen Protestanten setzten sich nach einer Zeit durch und machten die restliche Gemeinde durch Druck gefügig.

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Bergdriesch 39/ Templergraben 55

Rwth

AJudenschuleuch die Bildung wurde zur NS-Zeit stark von antisemitischen Gesetzen geprägt. Am 22. Judenschul1April 1933 wurde zum Beispiel ein Gesetz erlassen, welches „nichtarische“ Lehrer aus den Lehrerverbänden ausschloss. Außerdem wurde Vererbungs- und Rassenlehre seit September 1933 als Pflichtfach unterrichtet. Zielgerichtet nahm das neue Regime auch die anderen Fächer ins Visier, um die Schülerinnen und Schüler schon von der Volksschule an die NS-Lehre einzupflanzen.

Die Benachteiligung nichtarischer Schüler/ Lehrer setzte sich insofern fort, dass am 10. September 1935 verfügt wurde, dass „Rassentrennung“ an allen Volksschulen ab 1936 gelten sollte. Dies galt ebenso an den vielen Universitäten im Land.

Rwth1Es ging sogar so weit, dass jüdische Kinder ab dem 15. November 1939 komplett vom allgemeinen Schulbesuch ausgenommen wurden und sogenannte „Judenschulen“ eingerichtet werden mussten. So eine Schule stand hier in Aachen zum Beispiel am Bergdriesch 39. Auch die RWTH war von dieser strikten Trennung betroffen. Mitglieder der Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ waren hier aktiv. Dennoch wurde die Uni „arisiert“ und politisch „gleichgeschaltet“. Hier wurden zum einen einige Dozenten und Professoren entlassen, aber auch viele Studenten und Assistenten wurden aus „rassischen“ und politischen Gründen von der Universität ausgeschlossen.4_400

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Am Haarberg, Haaren

Zur NS-Zeit wurden jüdische Bürger ausgegrenzt. So wurden damals extra Friedhöfe angelegt, auf denen nur Juden begraben wurden. Die Gräber wurden von z. B. „Judenhassern“ geschändet und zerstört. Auch heute noch werden Gräber von rechtsextremen Gruppierungen geschändet.

In Haaren gibt es einen „Judenfriedhof“, welcher schon vor der Zeit des Nationalsozialismus angelegt wurde. Dieser Friedhof wurde, wie viele andere auch, während des Krieges zerstört und die Gräber geschändet.

Der jüdische Friedhof in Haaren wurde bereits 1839 angelegt. Schon zu dieser Zeit herrschte Ausgrenzung. Nach der Pogromnacht am 09. November 1938 wurden die Grabsteine umgeworfen und die Gräber geschändet. Ein Jahr später, 1939, transportierten die Bürger die Grabsteine ins Dorf und nutzten sie als Böschungsmauer.

Diese Böschungsmauer bestand bis 1997. Auch das Friedhofgelände wurde während des Krieges durch Bomben von Luftangriffen zerstört. 1948 wurde der Friedhof als Ort des Gedenkens neu gestaltet, da keine Grabstätten mehr erkennbar waren. Heute findet man dort einen Gedenkstein, sowie einen Doppelgrabstein. Dieser Doppelgrabstein ist ein sehr Besonderer; er war nach dem Krieg fast unbeschädigt und gehörte zu dem ersten Grab, von Ehepaar Menken, welches 1839 errichtet wurde.

„Wie ich mehrfach habe feststellen müssen, befinden sich einzelne jüdische Friedhöfe jüdischer Gemeinden in einem mehr als verwahrlosten Zustande. Einerseits mag es daran liegen, daß in einzelnen Gemeindebezirken jüdische Einwohner nicht mehr vorhanden sind, andererseits aber der Jude der Grabpflege völlig abhold ist.“

(27. Oktober 1938, Hannover, Zitat aus einem Brief vom Regierungspräsidenten)

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Station 42 – Löhergraben/ Barockfabrik

Als das NS-Regime die Macht übernahm, duldeten sie keinerlei Schriften, die Barockfabrickdemokratisch, pazifistisch geprägt waren oder in irgendeiner Art und Weise Hasencleveroffene und pluralistische Gesellschaften thematisierten. In Folge dessen wurden viele Bücher verboten, verbrannt und Meinungs- und Pressefreiheit wurden durch starke Zensur komplett abgeschafft. Diese Zensurpolitik setzte schon bis 1934 ca. 3000 Werke auf den Verbotsindex.

In dieser Zeit wurden auch viele Autoren als „entartet“ eingestuft und verboten, ihre Werke wurden verbrannt. Zu diesen Autoren gehörten sowohl jüdische, ausländische als auch missbilligende (z.B. linksorientierte) Verfasser. Außerdem duften „Nichtarische“ oder Ehepartner „Nichtarischer“ keinen Schriftleiterberuf ausüben. Einer Barockfabrick1dieser „entarteten“ Autoren in Aachen war der Dichter und Pazifist Walter Hasenclever, welcher in der an diesem ehemaligen Fabrikgebäude anschließenden Villa geboren wurde.

Er lebte seit 1933 vornehmlich in Südfrankreich und wurde 1938 als „entarteter“ Autor ausgebürgert. Auf Grund der französischen Niederlage und aus Angst vor drohender Verhaftung durch die GESTAPO nahm er sich am 21. Juni 1940 Im Internierungslager von Les Milles das Leben.

Steckbrief: Walter Hasenclever

8. Juli 1890: Geburt in Aachen; Eltern: Friedrich Hasenclever und dessen Frau Emma (geb. Bölling)

1908: Hasenclever beginnt sein Jurastudium an der Universität Oxford und wechselt nach einem Semester nach Lausanne

1910: erster Gedichtband von Hasenclever erscheint unter dem Titel „Städte, Nächte und Menschen“

1914: großer Erfolg mit seinem Stück „Der Sohn“; meldet sich freiwillig als Soldat zum ersten Weltkrieg

1916/17: Hasenclever, mittlerweile Kriegsgegner, simuliert ein psychisches Leiden und wird in einem Sanatorium in Dresden behandelt

1917: Entlassung aus dem Kriegsdienst; ihm wird der Kleistpreis für seine Tragödie „Antigone“ verliehen, mit der er Krieg und Despotie anprangert

1926: starker Einfluss des französischen Theaters; Hasenclever schreibt erste Komödie „Ein besserer Herr“, die großen Erfolg hat

1929-1932: Hasenclever schreibt für kurze Zeit Drehbücher für Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood.

1933: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Hasenclever in Deutschland verfemt: Seine Werke werden verboten und im Rahmen der Bücherverbrennungen aus den öffentlichen Bibliotheken entfernt. Darauf wird er ausgebürgert und geht ins Exil nach Nizza (Frankreich).

1940: Hasenclever wird erneut inhaftiert und kommt in das Lager „Les Milles“ bei Aix-en-Provence (Südfrankreich).

22. Juni 1940: Beim Anmarsch deutscher Truppen auf das Lager nimmt sich Walter Hasenclever das Leben, aus Angst in ein KZ-Lager zu kommen.

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